Reparaturen

 

Reparaturen am Bogen

Kein Zweifel, dass die pralle Barockform des Streichinstruments dem Bogen die Schau stiehlt. Aber ohne Bogen kein Streichen! Er ist sogar so wichtig, dass er in die meist geschicktere rechte Hand gehört. Der berühmte Geiger und Geigenpädagoge Eugène Ysaye soll einmal gesagt haben: „Streichinstrument – das ist der Bogen!“ Um ihn und seine Konstruktion ins rechte Licht zu rücken, muss an die Schießbogen der alten Krieger erinnert werden, deren Kraft, Belastbarkeit, Elastizität und Genauigkeit in der Schussrichtung über das Wohl und Wehe der Schützen entschied.

Nehmen wir die Bogenmechanik: Bei den alten Kriegern ist es eine einzige Sehne, die gespannt werden musste. Bei den Streichern sind es gleich 162 bis 230 Pferdehaare, die einer möglichst genauen gleichzeitigen Spannung ausgesetzt werden sollen. Diesen Haaren die rechte Spannung zu geben war bei den frühen Streichbogen tatsächlich noch die zusätzliche Aufgabe der Finger an der rechten Hand, als es noch keine Spannmechanik gab. Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts nahm sich ein englischer Bogenmacher die Zeit, Schraube, Mutter und Bahn – also die Spannmechanik – zu erfinden, mit der heute jeder Streichbogen der westlichen Zivilisation ausgestattet ist. Das Prinzip dieser Mechanik mag einfach erscheinen: Mutter und Schraube, sowie Rutschbahn oder Schiene für den Frosch werden angebracht. Wenn man sich mal die Zeit nimmt und die Bogenschraube aus der Stange dreht, um sich die Bogenmutter genauer anzugucken, dann stellt man fest: Enttäuschend und nicht mal komplizierter als das viel zitierte Wagenrad oder der Regenschirm! Aus heutiger Sicht eine Banalität.

„Wozu brauchen wir da einen Fachmann?“ Die Frage könnte sofort aufkommen, wenn einmal das Gewinde der Mutter kaputt ist. Fände sich nur ein gut sortierter Fachhandel, wäre das Problem ja schnell gelöst.

Ist es nicht, denn so individuell die Bögen gefertigt sind, so unterscheiden sich auch die Kleinteile der ‚simplen‘ Mechanik! Im Angebot die richtige Größe und Gewindeart zu finden, wäre vielleicht noch die einfachste Übung, wenn da nicht noch nachgefeilt und angepasst werden müsste bis auch die schönste Mutter in das dafür vorgesehene Kästchen am Stangenende passt und gut darin gleitet.

Eine ordentliche Eisenfeile könnte es ja noch im Haushalt geben! Aber vielleicht liegt es auch gar nicht an der Mechanik, wenn sich der Bogen nicht mehr spannen lässt, sondern an den Haaren, die zu lang geworden sind! Oder, wenn sich die Spannschraube noch nie schön leicht drehen ließ: Hat vielleicht die Bogenstange eine zu starke Biegung?

Vielleicht sollte doch mal jemand mit Erfahrung ran. Jemand, für den der Umgang mit der Bogenmechanik Alltag ist und der möglicherweise auf den ersten Blick sieht, wo das Problem liegt und wie es gelöst werden könnte. Zumal, wenn es sich um einen wertvolleren Bogen handelt.

Kopfplatte – ob aus Mammutzahn, Elfenbein oder Knochen; Bogenwickel – ob aus Fischbein, Kunststoff, Silber, Gold oder Neusilber; dazu das Daumenleder – ob aus Kalbsleder, Echsenhaut, Straußenbeinleder; Schieber und Froschauge – ob aus Perlmutt in Goldfischqualitätet oder Irisqualität, mit Silber- oder Goldfassung: Hier sind wir zwar bei der Kunstfertigkeit der Goldschmiede angelangt, doch will es so die viel erwähnte Tradition in unserem Beruf, dass wir als Geigenbauer vor Ort auch das zu unserem Aufgabenbereich zählen und selbstverständlich auch hier die notwendigen Reparaturen und Erneuerungen durchführen. Fast hätte ich es vergessen: Haare reinigen, neue aufziehen, die Bogenstange nachpolieren, auch das ist unser Alltag. Es ist wahr, wir sind keine Bogenmacher! Das ist ein anderer Beruf mit eigener Ausbildungsordnung, Prüfungen und Gesellenzeit. Doch so lange kein Bogenmacher vor Ort ist, sehen wir uns auch hier in der Pflicht, auch diese Arbeiten auszuführen. Das Musikleben in Dortmund und Umgebung soll ja nicht daran scheitern, dass hier jemand fehlt, der auch den Bogen reparieren könnte!

Die alten Ausbildungsordnungen vor 50 Jahren hatten noch die Ausbildung in der Bogenreparatur auch für Geigenbauer vorgeschrieben. Entsprechend lernte das Volker Bley in Mittenwald und Lübeck und kann das nun weiter geben.