Werkstattgeheimnisse

 

stradivari

 

Gibt es nicht! Es sei denn das Geheimnis der alten Meister, von dem soviel geredet und von dem so viel vermutet wird und welches doch so einfach ist: Die Summe der Erfahrungen, die sich in der Ausbildungszeit und im Arbeitsleben anhäufen. Beinhaltend auch Erfahrungen, die von Generation zu Generation weitergereicht wurden. Das eigentliche Geheimnis dürfte Gegenstand unseres Berufes selbst zu finden sein: Dieses altehrwürdige Streichinstrument, welches nun schon über Generationen gereift, über Jahrhunderte nahezu unverändert gebaut wird. Wenn sich da nicht Erfahrungen angehäuft hätten, die jedes junge Produkt unserer Zeit in den Schatten stellten, dann ergäbe dies das größere Rätsel. Aber Stradivari hatte doch wenigstens sein Lackgeheimnis! Antwort: Wenn, dann hatte es sein Apotheker, von dem er seinen Lack bezog, wie man inzwischen weiß. Ob der Apotheker damals in Cremona sich aber bewußt war, daß er über das inzwischen berühmte Lackgeheimnis verfügte, kann jedoch auch noch angezweifelt werden. Waren es nicht vielleicht die Zwischenhändler und letztlich die Kauffahrer, die über das sichere Gefühl für die guten Qualitäten der Naturharze verfügten, um sie aus den entferntesten Orten der Welt herbei zu schaffen? Fragen besuchender Kunden habe ich bisher immer gern und ohne Ausweichmanöver beantwortet. Wenn jemand sich die Zeit nimmt und möchte mir bei der Arbeit zuschauen – soll er! Als Gläserene Werkstatt wurde mein Betrieb in den Medien schon bezeichnet. Nein, Angst vor Nachahmungstätern habe ich nicht. Fand ich zwar selbst zu meinem Beruf durch einen Geigenbaumeister, der mich zuschauen ließ – weiß aber, wie beschwerlich der Weg zur Kunstfertigkeit dann immer noch war. Ausdauer, Beharrlichkeit, Geduld sind vielleicht weitere kleinere Geheimnisse – aber die können mir weder abgeguckt noch gar gestohlen werden.